Mittwoch, 19. August 2009

Samoa das Polynesische Paradies oder Katastrophe?




Um Susannes Sicht ein wenig zu korrigieren: mir gefällt Samoa. Es ist nicht glatt sondern hat gehörig Ecken und Kanten, aber mit denen kann ich ganz gut leben. Die Samoaner sind auch sehr speziell, aber ich komme gut mit ihnen aus und finde sie eigentlich sehr nett und witzig. Sie sind generell Selbstversorger, die in Sippen leben. Insofern haben sie eigentlich die wichtigsten Dinge zum Leben und verstehen nicht, warum man noch darüber hinaus "arbeiten" soll. Sie sind keinesfalls faul, aber tun wenig über ihr in der Sippe geregeltes Leben hinaus. Insofern kennen sie das Konzept des "bedienens" wie es im Westen und Asien üblich ist nicht, was unter anderem auch an der fehlenden sozialen Schere liegt. Ein anderer Grund liegt in der strikten Sippenstruktur, in der die Alten den Jungen die Befehle erteilen und diese Folge leisten müssen. Insofern bedienen die Jungen ständig und wurden noch nie selber bedient. Das macht das ganze noch schwerer. Privat gesehen sind sie sehr großzügige Gastgeber, was in den 60ern von Hippies weidlich ausgenutzt wurde, indem sie nach Einladung ins Dorf nicht einige Tage sondern einfach Monate blieben und herumschmarotzten. Das hat die Einstellung der Samoaner anscheinend etwas geändert. Wie dem auch sei, es ist ein sehr schönes, ursprüngliches und recht armes Land, in dem ich es gut aushalten könnte. Wenn nicht Susanne eine Krise nach der anderen bekäme. Wir haben da einfach eine andere Grundeinstellung, vielleicht liegt es am Mutterinstinkt, der im Hintergrund immer Nestbauprogramm fährt, auf alle Fälle kann ich das mindestens halb volle Glas sehen und sie findet das Glas nicht ;-)
Es gibt hier in Samoa ein hervorragendes Bier, das Vailima, damit sieht die Welt von alleine schonmal gut aus. Deutsche hatten da ihre Finger mit im Spiel. Wie kann man da an Probleme denken?
Gerade liegen wir im Süden von Upolu, wir sind vorzeitig aus Apia abgereist, weil uns die Decke auf den Kopf gefallen ist. Ich habe einen Mietwagen besorgt und wir haben nun ein geschlossenes Fale direkt am Strand. Während ich dies tippe, höre ich die Brandung und Zikaden zirpen. Unser Bett mit Moskitonetz ist ein wenig klein für uns vier. Das liegt vor allem daran, dass ich zu lang bin und nicht gerade liegen kann...
Drüber rausragen geht aber auch nicht, weil dann meine Füße zerstochen werden. Wie man sieht, man hat hier einige Luxusprobleme. ;-)
Hier unten im Süden gibt es nicht viel, unter anderem kein Internet. Deswegen wird es eine Weile still im Blog sein und auch dieser Artikel erst spät kommen.
Ab Donnerstag setzen wir auf die zweite Insel, Savai'i über. Ich hoffe, dass Susanne dann zufriedener ist, ansonsten will sie nach Neuseeland... Mal sehen.
Wie gesagt, nicht alles ist toll hier, aber wir haben hier noch ursprüngliches Polynesien, wie es das bald nicht mehr geben wird. Und das finde ich spannend, auch wenn es nicht ganz dem Traum vom Südseeparadies entspricht, den jeder im Hinterkopf hat. Und wie Fotos bald zeigen werden, ist es wirklich sehr schön hier!

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